Ringelspitz

Ringelspitz/Piz Barghis (3247m) über Mittelgrat und Tscheppband

Eigentlich hätte diese Tour schon eine Woche früher stattfinden sollen, doch Hitzegewitter erzwangen eine Verschiebung. Im Nachhinein eine gute Entscheidung – es klettert sich deutlich entspannter, wenn der Blitz nur beim Fotografieren vorkommt.


Beim zweiten Anlauf ging es früh in Ulm los, in Bad Ragaz wurde die dritte Mitstreiterin eingesammelt. Unser blauer Oldie – wenig gefahren, dafür umso mehr Charakter – nahm die enge Straße zum Kunkelspass mit der Ruhe eines Fahrzeugs, das es nirgendwohin eilig hat. Von dort erreichten wir in rund anderthalb Stunden die Ringelspitzhütte. Ausruhen? Fehlanzeige. Stattdessen ging es noch in den Klettergarten bei der Hütte, wo der Fels von Route zu Route bröseliger wurde.

Am nächsten Morgen starteten wir um 5.50 Uhr. Zunächst angenehmes Gehgelände bis zu den Sandböden, dann wurde es über Schutthänge hinauf zum Ansatz des Mittelgrats zunehmend steiler – und die Gespräche einsilbiger. Am Einstieg hieß es: Helm auf, anseilen. Der Mittelgrat ist die klassische Sommerroute auf den höchsten Gipfel des Kantons St. Gallen und bot uns abwechslungsreiche Kletterei mit Stellen bis in den vierten Grad, luftige Tiefblicke inklusive.

Oben präsentierte sich der höchste St. Galler leider im Tarnmodus: von Wolken umringt, Rundumsicht nur in homöopathischen Dosen. Das Gipfelfoto zeigt dafür sehr authentisch drei zufriedene Gesichter vor weißem Hintergrund.

Für den Abstieg wählten wir das Tscheppband – normalerweise eine unkomplizierte Angelegenheit. Normalerweise. Unterhalb des Tschepp versperrte ein steiles Schneefeld den Weg, ohne Steigeisen und Pickel nicht seriös zu passieren, zumal die Schneefelder dort keine Auslaufzone haben. Also Plan B: Klettergurte wieder anlegen, Abseilstand einrichten, ablassen und abseilen. Eine Bandschlinge wurde dabei dem Berg geopfert.

Nach über neun Stunden erreichten wir wieder die Hütte. Die Pause fiel in die Kategorie „kurz hinsetzen und feststellen, dass Aufstehen Verhandlungssache ist“, dann ging es zurück zum Kunkelspass, wo der blaue Veteran uns zuverlässig über Bad Ragaz nach Ulm brachte.

Fazit: Herrliche Kletterei, wolkenverhangener Gipfel, eine ungeplante Abseilaktion – und eine Geschichte, die im Nachhinein deutlich lustiger klingt als im Moment vor dem Schneefeld 😉

Bilder: Teilnehmer
Bericht: Christa Bosch

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