Die Gruppe unter Führung von Michael Scharpf startete am Sonntag nach kurzem Kennenlernen am Parkplatz in Vöhringen bei schönstem Wetter vorbei am Walen-, Zürich- und Vierwaldstädter See ins Berner Oberland zum Sustenpass,. Nachdem erfolgreich Franken am 2. Bankschalter gezogen werden konnten, waren wir liquide für unsere Tage in der schönen Schweiz.
Vorbei am Hotel Steingletscher am Sustenpass fuhren wir noch ein Stück die Mautstraße hinauf zum Parkplatz. Nach kurzer Rücksprache mit Konstantin, der die letzten Tage bereits mit einer Gruppe Touren dort gemacht hatte und auf dem Rückweg war, starteten die Bergsteiger Susanna, Margit, Wolfgang, Reinhold, Harry und Lars mit Tourenführer Michael nach der Materialverteilung mit schwerem Rucksack auf einem teilweise anspruchsvollen Weg Richtung Tierberglihütte. Es kamen uns unzählige Bergsteiger entgegen, daher musste das wohl ein lohnendes Ziel sein.
Nach vielen Gruezi, Servus und Hallo rüsteten wir uns nach Ankunft auf der toll gelegenen Steinhütte mit neuem Anbau gleich noch für die Besteigung des Hausberges mit einfacher Gletscherwanderung, den Vorderen Tierberg mit 3.090 m. Glücklich standen wir am ersten Tag auf einem Gipfel mit schöner Rundumsicht. Nach dem Abstieg zur Hütte stand auch gleich das sehr gute 4-Gang-Abendessen mit Hauptspeise Hörnli und Bolognesesoße für alle sehr hungrigen Bergsteiger auf dem Programm. Ein gelungener Tag ging mit einem sehr netten Austausch in der Gruppe zu Ende und es war klar, wir passen wunderbar zusammen. Müde sanken wir in unserem 15er-Lager in die Schlafsäcke.
Am 2. Tag hatten es unsere Bettnachbarn nicht so schön mit uns, denn bereits kurz nach 4 Uhr standen wir zum Frühstück auf und starteten früh zur Königstour: Aufstieg über den Steingletscher zum Westgrat des mächtigen Gwächtenhorns mit 3.404 m. Nach ca. 1,5 Stunden standen wir am Einstieg auf 3.300 m. Natürlich war das nicht nur unser Ziel an diesem Tag, einige Gruppen waren vor uns, so dass wir annähernd 1 Stunde bei gutem Wetter, aber eisigem Wind warten mussten, bis Michael zur ersten Sicherung losklettern konnte. Bereits hier kamen uns einige Steinschläge von der vorigen Gruppe entgegen, da der Fels teils sehr brüchig war. Der Einstieg auf den Grat ist auch die Schlüsselstelle für diese vierstündige Mehrseillängen-Kletterei auf dem Grat zum Gipfel (UIAA II). Nachdem wir die Felskletterei dank den zuverlässigen Vorsteigern alle gut gemeistert hatten, ging es auf dem Normalweg über den leichten Ostgrat zum Abstieg. Es war nur kurz Zeit für eine kleine Stärkung und ein paar Fotos, denn wir waren alle ziemlich durchgefroren. Der kalte Wind ließ einfach nicht nach. Trotz allem war uns noch eine Übungseinheit wichtig, und wir lernten vor der Rückkehr zur Hütte von Michael, wie Spaltenbergung funktioniert. Am Ende konnten alle Spaltengucker erfolgreich und ohne Blessuren gerettet werden. Es blieb nach der Rückkehr auf der Hütte noch Zeit für ein Erholungsschläfchen und Frischmachen im neu angebauten Sanitärtrakt mit minimal fließendem Wasser, aber tollem Ausblick ins Tal und auf den Steingletschersee. Nach einem wiederum sehr guten Abendessen, netten Austausch in der Gruppe und wunderbarem Sonnenuntergang sanken wieder alle in ihre Betten und schliefen mehr oder weniger gut.
Am 3. und letzten Tag stand nach wiederum sehr frühem Aufstehen kurz nach 4 Uhr der höchste und dominante Gipfel, das Sustenhorn mit 3.502 m auf dem Normalweg an, das 1841 erstmals bestiegen wurde. Die aufgehende Sonne hatte das Panorama in wunderbares Licht getaucht und in dieser schönen Bergstimmung überwanden wir über den Steingletscher 750 Höhenmeter. Hier gab es jedoch zahlreiche Spalten. Da hieß es wirklich aufgepasst, die Schlunde sahen teils richtig gefährlich und gierig aus. Der Aufstieg war zunächst ganz angenehm, im letzten Abschnitt nahm die Steilheit aber ordentlich zu und nach ein wenig freiliegendem Fels und großer Wechte standen wir auch schon auf dem Gipfel mit tollem Panorama auf die Urner und Berner Alpen.
Aufgrund des wieder zapfigen Windes nahmen wir uns auf dem Gipfel leider nur kurz Zeit: Jacke drüber, Snack einwerfen und natürlich das Gipfelfoto durfte nicht fehlen, das ein sympathischer Schweizer Bergführer mache. Auf dem Rückweg fanden wir noch ein windstilles Plätzchen für ein Vesper und dann ging es auch schon zurück zur Hütte.
Nachdem wir unser bescheidenes Gepäck aus dem Hüttendepot wieder im Rucksack verstaut hatten, starteten wir unseren Abstieg zum Auto. Und da man nach 3 Tagen in den Bergen mit Waschlappenreinigung nicht so toll riecht, kamen frische Klamotten raus für die Heimfahrt und Einkehr am Hotel Steingletscher. Dort ließen wir die schönen und absolut gelungenen Tage Revue passieren und waren glücklich, dass wir alle heil im Tal angekommen sind. Bei herrlichem Wetter fiel uns der Abschied etwas schwer, aber es wird irgendwann wieder eine so beeindruckende Tour geben und vielleicht sehen wir den einen oder anderen Bergmenschen wieder. Das wäre doch wunderbar!
DANKE, Michael, für die Orga und Führung durch die von uns allen geliebten Berge und für deine kompetente und nette Art als Bergführer und Mensch!
Bericht: Margit Schmid
Bilder: Teilnehmer