Gut waren die Wetterbedingungen ja erstmal nicht gemeldet für den Alpenraum. Schade, wo sich doch alle so auf das verlängerte Wochenende gefreut hatten. Aber dank der Spontanität der Teilnehmer und des Planungsgeschicks von Konsti und Simon fiel die Ausfahrt doch nicht ins Wasser. So bekamen wir wetteradaptiert noch recht kurzfristig über Konstis Connection zum ein oder anderen Bergführer ausreichend Platz in der Blaueishütte.
Früh morgens um 5:30 Uhr ging es dann am Donnerstag in Memmingen los in Richtung Berchtesgaden. Das Wetter war ausgezeichnet und nach einem sportlichen Aufstieg gab es auf der Blaueishütte erstmal – wie es sich gehört – eine Verköstigung des außergewöhnlich leckeren Kuchens (der Mohnkuchen ist pervers).
Nach der Stärkung wurde noch eingecheckt und dann ging es auch schon direkt in der Gruppe zu den Übungswänden direkt neben der Hütte. Dort zeigten uns Simon und Konsti verschiedene Sicherungsgtechniken im alpinen Klettern. Für manche war es eine sehr gute Wiederholung und Wissensvertiefung, für andere der Einstieg ins Mehrseilklettern.
Nach gelernter Theorie und erster Anwendung gab es zur Abrundung des Tages noch die erste erfolgreiche Mehrseillängentour in der Westwand der Schärtenspitze. Ob es die Seilschaften rechtzeitig zum Abendessen auf die Hütte geschafft haben? – Davon könnt ihr ausgehen! Denn das Essen auf der Blaueishütte sollte man unter absolut keinen Umständen verpassen. Schon das erste Abendessen war ein Gaumenschmaus, der vom Küchenteam mit jedem weiteren Tag nur noch weiter überboten wurde.
Für den kommenden Tag war die Niederschlagswahrscheinlichkeit am höchsten gemeldet und es zogen bereits am Donnerstagabend dichte Wolken von Westen her auf. Uns blieb wohl nichts anderes übrig, als den nächsten Morgen abzuwarten…..
Der Freitagmorgen startete recht ruhig auf der Blaueishütte. Die meisten hatten es nach dem Frühstück nicht gerade eilig an die kalten, klatschnassen Felswände zu kommen und bevorzugten es, lieber noch die ein oder andere kuschelige Stunde unter der Bettdecke zu verbringen. Als das Wetter am späten Vormittag zunehmend beständiger wurde, beschlossen wir in der Gruppe, nochmal an die Übungswände zu gehen. Eine Mehrseillängentour wäre aufgrund des unzuverlässigen Wetters heute nicht möglich gewesen. Aber Konsti und Simon konnten uns dennoch ein sehr lehrreiches Programm für den nassen und kalten Tag bieten. Wir vertieften nochmal die verschiedenen Techniken und legten diesmal den Fokus aufs Abseilen. Wenn man die feuchten Wände schon nicht sicher hochkommt, dann wenigstens runter.
Am dritten Tag hatten wir dann wieder gute Bedingungen und konnte endlich in der ganzen Gruppe eine schöne gemeinsame Mehrseillängen-Tour am Westgrat der Schärtenspitze (5+, 400m) über 10 Seillängen machen. Die Kletterei lief super und alle hatten einen riesen Spaß. Anschließend folgte noch ganz oben der Aufstieg auf die Schärtenspitze. Von dort aus hatten wir einen wunderschönen Blick über das Watzmann- und Hochkaltermassiv. Aufgrund der Wettervorhersage und der aufziehenden Wolken hieß es dann aber möglichst schnell zurück zur Blaueishütte abzusteigen. Perfektes Timing – erschöpft von der Tour erreichten wir mit den ersten einsetzenden Regentropfen die Hütte.
Der letzte Tag war leider wieder sehr wolkenverhangen. So entschied sich die Gruppe am Abreisetag bei den Bedingungen noch eine kleinere Klettertour durch die Schärtenwand-Verschneidung (4+/200m/7SL) zu machen. Diesmal ging es auf der westlichen Seite der Bergkette mit einer kürzeren Kletterei nach oben und weiter bis zum schönen Fleck, der seinem Namen alle Ehre macht. Besonders nachdem man sich durch das teils dichte Wolkendach gen Himmel gekämpft hatte und sich dort oben die Dunstschleier lichteten um ein grandioses Panorama zuzulassen.
Beim doch recht langen Abstieg bis runter ins Tal blieb uns natürlich nichts anderes übrig, als ein aller letztes Mal in den Genuss der köstlichen Backkünste der Blaueishütte zu kommen.
Unten am Parkplatz war die Verlockung einer Erfrischung vor der Abfahrt dann doch zu groß. So warfen alle ihre müden Körper in das kühle Nass des Hintersees und fühlten sich danach zumindest wieder fit genug die Heimfahrt anzutreten. Am Ende bleibt eine unglaublich tolle und lehrreiche Bergerfahrung, die jeden Teilnehmer im alpinen Klettern voranbringen konnte.
Vielen Dank an Konsti und Simon für das Engagement und die Planung.
Text: David Michael
Bilder: Teilnehmer