Eigentlich war alles anders geplant: Unser Ziel für das Wochenende vom 20. bis 22. Februar sollte das Berghaus Malbun in Liechtenstein sein. Doch der diesjährige Winter hatte andere Pläne. Schneemangel zwang uns kurzfristig zum Umdenken –und so fiel die Entscheidung auf Südtirol, genauer gesagt nach Matsch im Matscher Tal. Was zunächst wie ein organisatorischer Rückschlag wirkte, setzte sich auch in der Gruppengröße fort: Mehrere Absagen reduzierten unsere Runde auf drei Teilnehmer plus unseren Tourenführer Hartmut. Doch schnell wurde klar –klein, aber fein trifft es perfekt.
Freitag –Anreise und vorsichtiger Einstieg
Früh am Morgen ging es los. Ich stieg um 6:30 Uhr in Berkheim zu, und gemeinsam machten wir uns auf den Weg Richtung Vinschgau. Geplant war eine Eingehtour im Rojental am Reschenpass. Unterwegs zeigte sich: Von Schneemangel konnte mittlerweile keine Rede mehr sein. Seit Tagen hatte es geschneit, und wir fuhren durch eine tief verschneite Winterlandschaft über das Allgäu und den Fernpass. So schön der viele Neuschnee war – er brachte auch Herausforderungen mit sich. Die Lawinenwarnstufe war auf 4 angestiegen. Diese Situation war uns bereits vor der Abfahrt bewusst, und entsprechend defensiv gestalteten wir unsere Tourenplanung.
Im Rojental ging es dann in Richtung Innerer Nockenkopf. Wir blieben jedoch konsequent unterhalb der Baumgrenze und mieden steilere Hänge. Ein Gipfel war unter diesen Bedingungen keine Option. Stattdessen nutzten wir die Gelegenheit sinnvoll: Wir legten ein Schneeprofil an, bei dem Thomas sein Equipment –inklusive Schneethermometer –testen konnte.
Untergebracht waren wir bei Karl Perfler im Gasthof Weißkugel in Matsch. Schnell wurde klar: Karl ist ein echtes Original des Vinschgaus. Als ehemaliger Betreiber des Kulturgasthauses Tschenglsburg brachte er nicht nur Geschichten, sondern auch Musik, Gesang und tiefgründige Gespräche mit an den Tisch. Die Abende wurden so zu einem besonderen Erlebnis –begleitet von hervorragender Südtiroler Küche.
Samstag –Schneefall und Geduld
Auch am Samstag blieb uns das winterliche Wetter treu. Leichter Schneefall begleitete uns den ganzen Tag, und so hielten wir an unserer defensiven Planung fest. Der ursprünglich angedachte Upikopf (3175 m) musste warten – wir kehrten an der Upikopf Alpe um. Stattdessen verlängerten wir die Tour im Tal bis zur Matscher Alm. Am Ende standen dennoch 11 Kilometer und 700 Höhenmeter auf dem Programm. Die wohlverdiente Belohnung folgte im Gasthof Glieshof beiKaffee und Kuchen.
Sonntag –Traumtag zum Abschluss
Der Sonntag machte seinem Namen alle Ehre: blauer Himmel zeigte sich am Horizont. Geduld zahlt sich eben aus. Nach einer herzlichen Verabschiedung von Karl fuhren wir zurück Richtung Reschensee. Diesmal erkundeten wir die Ostseite bis zur Grauner Alm. Die umliegenden Gipfel –mit Blick bis zum Ortler –präsentierten sich in voller Pracht, auch wenn wir sie diesmal nur aus der Ferne bestaunen durften. Doch das tat der Stimmung keinen Abbruch: Pulverschnee bei Sonnenschein –eine lohnende Abschlusstour.
Fazit; Dieses Wochenende hat einmal mehr gezeigt: Auch bei Lawinenwarnstufe 4 sind Skitouren möglich –vorausgesetzt, man plant umsichtig und bleibt konsequent defensiv. Keine steilen Powderabfahrten, keine 3000er-Gipfel – dafür ein Wochenende mit tollen Eindrücken, guten Gesprächen und einer harmonischen Gruppe. Ein großes Dankeschön an unseren Tourenführer Hartmut für die sichere und besonnene Führung.
Bericht: Heiko Diem
Bilder: Teilnehmer